Drei Städte, eine Herausforderung: Wasser

10. Aug. 2026 | Allgemein, Galabau

Bäume sind längst mehr als Gestaltungselemente im urbanen Raum. Gerade in dicht bebauten Gebieten übernehmen sie eine wichtige Funktion für das Stadtklima: Sie spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung durch Verdunstung, binden CO₂ und Feinstaub und schaffen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Die Stadt Wien bezeichnet ihre Stadtbäume deshalb sogar als „hochwirksame, natürliche Klimaanlage“. [Stadt Wien]

Ihre Bedeutung nimmt weiter zu. Denn versiegelte Flächen aus Asphalt, Beton und Stein heizen sich während längerer Hitzeperioden besonders stark auf. Es entstehen sogenannte urbane Hitzeinseln. Der Klimawandel und zunehmende Urbanisierung führt künftig dazu, dass nicht nur Metropolen, sondern auch kleinere Städte verstärkt von diesem Effekt betroffen sein werden.

Paris, Wien, Barcelona

Welcher Aufwand mit der Pflege und erfolgreichen Entwicklung von Stadtbäumen verbunden ist, zeigt sich in vielen europäischen Städten. Paris bewässert junge Bäume während ihrer ersten drei Jahre regelmäßig. Als Richtwert nennt die Stadt rund 100 Liter Wasser pro Baum alle 15 Tage von März bis September. Rund 4.000 bis 5.000 junge Bäume benötigen während der Sommermonate besondere Aufmerksamkeit. Bei einem Teil der Jungbäume kommen zudem Tensiometer zum Einsatz, mit denen der Wasserstress gemessen und die Bewässerung gezielter gesteuert werden kann.

[https://www.paris.fr/pages/les-jardins-publics-et-les-arbres-proteges-des-fortes-chaleurs-7035]

Auch Wien investiert erheblich in die Versorgung seines Stadtgrüns: Jungbäume ohne automatische Bewässerung werden während ihrer ersten vier Jahre einmal pro Woche, in Hitzeperioden sogar zweimal wöchentlich händisch gegossen. Dafür sind täglich rund 150 Mitarbeiter:innen mit etwa 50 Gießfahrzeugen unterwegs. Insgesamt werden rund 400.000 Liter Wasser pro Tag ausgebracht – das entspricht ungefähr 20 durchschnittlichen Gartenpools mit 4,5 Metern Durchmesser. Zusätzlich kommen fast 25.000 Bewässerungssäcke zum Einsatz, die das Wasser langsam an den Wurzelballen abgeben.

[https://www.wien.gv.at/umwelt/stadtbaeume]

Barcelona setzt ebenfalls auf ein gezieltes Wassermanagement für sein Stadtgrün. Neu gepflanzte Bäume benötigen laut den Vorgaben der Stadt etwa 160 bis 180 Liter Wasser pro Bewässerung und werden in den ersten Jahren regelmäßig versorgt. Gleichzeitig versucht Barcelona, Trinkwasser zu sparen und verstärkt Grundwasser sowie Tröpfchenbewässerung einzusetzen. Wie wichtig die Wasserversorgung dennoch bleibt, zeigt die Strategie während der vergangenen Dürreperioden: Während die Bewässerung vieler Grünflächen eingeschränkt wurde, blieb die Überlebensbewässerung der Bäume aufrecht.

[https://ajuntament.barcelona.cat/premsa/2023/03/01/lajuntament-de-barcelona-activara-el-protocol-per-situacio-de-sequera-en-fase-dexcepcionalitat/]

Wasser dort speichern, wo es gebraucht wird

Neben einer gezielten Bewässerung stellt sich zunehmend die Frage, wie das eingebrachte Wasser möglichst lange im Wurzelbereich verfügbar gehalten werden kann. Eine Möglichkeit bieten wasserspeichernde Granulate wie Polygrain. Sie werden bei der Pflanzung direkt in den Wurzelbereich eingebracht, nehmen Wasser auf und speichern es im Boden. Bei zunehmender Trockenheit wird die gespeicherte Feuchtigkeit wieder an die unmittelbare Umgebung der Wurzeln abgegeben.

Gerade bei neu gepflanzten Stadtbäumen kann ein solcher zusätzlicher Wasserspeicher von Anfang an in den Pflanzaufbau integriert werden. Niederschlags- und Bewässerungswasser kann dadurch länger im Wurzelraum gehalten und effizienter genutzt werden.

Doch Wassermanagement endet nicht bei Jungbäumen. Auch bei bereits bestehenden und älteren Stadtbäumen können die Bedingungen im Wurzelraum nachträglich verbessert werden. Im Rahmen eines gemeinsamen Projekts wurde in Barcelona wasserspeicherndes Granulat mit einer speziellen Lanze gezielt in den Wurzelbereich bestehender Stadtbäume eingebracht. Damit kann die Wasserspeicherkapazität des Bodens nachträglich erhöht und Wasser länger dort verfügbar gehalten werden, wo der Baum es benötigt.

Ob Paris, Wien oder Barcelona: Die Beispiele zeigen, dass die Wasserversorgung von Stadtbäumen bereits heute mit erheblichem Aufwand verbunden ist. Neben effizienter Bewässerung wird deshalb auch die Frage wichtiger, wie Wasser besser im Boden gespeichert und möglichst lange für die Bäume verfügbar gehalten werden kann. Denn wer heute in Stadtgrün investiert, investiert in die Kühlung und Lebensqualität unserer Städte von morgen.

Referenz Barcelona